kick-off-Probe - Meine erste Probe im Jungen Orchester

Sonnabend, 4. Februar, kurz vor zwölf Uhr. Ich biege auf den Parkplatz der Wichernschule in Hamburg Horn ein. Wie so oft auf den Weg zu einer Probe, aber diesmal ist es doch etwas Besonderes. An Stelle meiner Posaune habe ich diesmal meine Bratsche im Kofferraum; ich bin auf dem Weg zu meiner ersten Probe mit dem Jungen Orchester (HHjO).

Würde ich nach vielen Jahren, in denen ich überwiegend Posaune gespielt habe, mich wieder mit der Bratsche anfreunden können? Kann ich mit den Stücken mithalten? Und auf welche Leute treffe ich? Wie wird die Stimmung sein? Viele Fragen; ich bin entsprechend gespannt.

Nachdem ich aus dem Auto ausgestiegen bin, stellt sich eine viel banalere Frage: Wo auf diesem riesigen Schulgelände muss ich eigentlich hin? Ich folge mit meinem Bratschenkasten, einem Notenständer und einer Tüte mit viel unterschiedlichem Obst fürs Buffet einigen Leuten, die Instrumentenkästen bei sich tragen, in eine große Sporthalle. Hm, das sieht eher nach dem „großen“ bzw. Symphonischen Orchester aus. Also frage ich nach dem Jungen Orchester. Freundlich wird mir der Weg erklärt. Auf dem Weg dorthin treffe ich einige Leute unterschiedlichen Alters. Viele haben ein Lächeln auf den Lippen, auf meinen Gruß wird immer nett geantwortet.

Nachdem ich den richtigen Raum gefunden habe, sehe ich ein bekanntes Gesicht: Franka, die Dirigentin des HHjO, die ich aus unserem sinfonischen Blasorchester in Norderstedt kenne. Sie freut sich sichtlich und erklärt mir die allerersten Schritte: Hinsetzen und abwarten, bis alle Neuen zusammen sind. Eine tolle Idee, der Warm-Up mit allen Neulingen. Nach kurzer Zeit sitzen dort etwa ein Dutzend Menschen. Und eine kleine Sorge von mir, nämlich dass ich mit Abstand der Älteste bin, fällt in sich zusammen; es sind sehr unterschiedliche Altersstufen vertreten. Nachdem Franka und Jörg, der Dirigent des Symphonischen Orchesters, uns alle willkommen geheißen und die Gesamtkonzeption erklärt haben, beginnt eine Vorstellungsrunde der Neuen. Dabei fällt mir auf, dass einige von ziemlich weit her kommen: aus der Flensburger Ecke, Ostfriesland, auch aus dem Süden und Osten weit weg von Hamburg. Fast schäme ich mich wegen meiner Anreise von nur einer guten halben Stunde. Franka verteilt noch ein Blatt mit allen Ansprechpartnern, die sich auch teilweise gleich vorstellen. Da ich gute Organisation sehr schätze, bin ich wirklich sehr angetan.

Nach der Vorstellungsrunde greifen wir schon mal zu den Instrumenten und spielen ein wenig. F-Dur-Tonleiter, Hm, wie war das nochmal auf der Bratsche?

Schnell ist die Zeit rum und wir treffen uns mit dem Symphonischen Orchester und dem Hamburg-Chor in einem Raum zum offiziellen Beginn. In diesem Raum ist ein großes Buffet aufgebaut, siedend heiß fällt mir mein Obst ein, das im Probenraum liegt; vor lauter neuen Eindrücken vergessen. Okay, in der nächsten Pause. Franka zeigt mir noch die Blechbläser, die gerade in der großen Turnhalle Musik machen. Klingt gar nicht schlecht und ich bedaure, dass ich meine Bassposaune nicht dabei hatte, damit hätte ich mich gut dazustellen können.

Nachdem dann alle zusammengekommen sind, staune ich über die vielen Leute. Und siehe da, zwei/drei bekannte Gesichter sind für mich auch dabei.

Nach einer netten Begrüßung und einem Gebet verteilen sich die Ensembles und dann geht’s los. Das gesamte Junge Orchester kommt jetzt zusammen. Es dauert eine Weile, bis alle ihren Platz haben, teilweise setzt Franka auch noch Mitspieler um. Es sind viele Mitspieler verschiedener Altersgruppen. Der Platz im Probenraum reicht kaum aus, wir müssen alle zusammenrücken. Franka freut sich. In der Bratsche sind wir zu fünft. Werden wir uns gegen die übermächtigen anderen Stimmen durchsetzen können? Franka ist jedenfalls über uns fünf sehr glücklich. Nachdem alle ihren Platz gefunden haben, wird gestimmt. Das dauert seine Zeit. Ich persönlich finde das gut, denn eine gute Stimmung ist für ein Orchester in doppelter Hinsicht sehr wichtig. Schön, dass Franka sich die Zeit nimmt, das gründlich zu machen.

Dann geht es los. Wir spielen Stücke des aktuellen Programms zumindest einmal an, teilweise sogar durch und einige proben wir auch schon an einzelnen Stellen. Es läuft erstaunlich gut, sowohl bei mir persönlich mit meiner Bratsche, vor allem aber auch im gesamten Orchester. Wir haben alle viel Spaß und merken, dass Franka am Dirigentenpult freudig überrascht ist. Intonation und Sound sind richtig gut.

Schnell ist die Pause erreicht und wieder treffen sich alle Gruppen beim Buffet. Vor allem der Kaffee tut gut. Und richtig, mein Obst liegt immer noch in der Tasche im Probenraum. Vor lauter neuen Eindrücken wieder vergessen. Schön sind auch die ersten Gespräche, die ich führe. Alle wirken recht entspannt und freuen sich über das gemeinsame Musizieren. Nach der Pause geht es weiter. Meine Frau, die beruflich bedingt erst zur Pause kommen konnte, wurde gleich an die Seite der Konzertmeisterin gesetzt. Auch sie freut sich, ihr „Erstinstrument“ mal wieder spielen zu können. Es werden weitere neue Stücke angespielt, teilweise auch wieder gleich geprobt. Die ersten Strichdiskussionen werden geführt; lang ist´s her, dass ich mir darum Gedanken machen musste. In der Posaune gibt es das ja eher selten.

Und dann, viel zu schnell, ist die Zeit bereits überschritten. Nach einem Abschlussgebet wird noch schnell aufgeräumt. Alle packen irgendwie an, so dass für den einzelnen eigentlich nicht so viel zu tun ist.

Was ist mein persönliches Fazit? Nun, ich bin sehr angetan von der freundlichen Stimmung der Mitspieler, der sehr guten Organisation und der phantastischen musikalischen Leitung durch Franka. Es scheint jeder zu wissen, dass für eine solch große Menge an individuellen Mitspielern eine Gemeinsamkeit ganz wichtig ist und das wird gelebt. Ich war vom spielerischen und klanglichen Niveau des Jungen Orchesters positiv überrascht. Persönlich habe ich mich dann -last not least- darüber gefreut, dass ich mit meiner Bratsche sogar einigermaßen mithalten konnte. Ich freue mich schon auf die nächsten Proben. Und dann bringe ich etwas anderes mit als Obst, denn (man ahnt es schon), das kam wieder mit nach Hause.